Wächterstraße 30
04107 Leipzig
Anmeldepflichige Diskussionsrunde
Veranstaltet vom Institut für Informatik der Universität Leipzig
Ort: Research Academy Leipzig
Adresse: Wächterstraße 30, 04107 Leipzig
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Die Wissenschaftspolitik des 20. Jahrhunderts ist durch zwei wichtige Tendenzen geprägt,
- den Aufstieg der Technikwissenschaften von einer randständigen akademischen Erscheinung, die seit dem 18. Jahrhundert in Gewerke- und Ingenieurschulen ihre Hauptformen professioneller Bildung und Unterweisung entwickelt hatte, zu einem mehr oder weniger akzeptierten Mitglied wenn schon nicht im Kreise der universitas litterarum mit ihren „sieben freien Künsten“ (die deutsche Wikipedia ist in dieser Frage inzwischen vorsichtig, die englische zeigt jene Wurzeln noch genauer auf), so doch wenigstens in der Familie der Universitäten
- und das Schisma der alten Philosophischen Fakultät, in der die Philosophen und Naturwissenschaftler (auf die weibliche Form kann an dieser Stelle getrost verzichtet werden) noch unter einem gemeinsamen Dach vereinigt waren, in die Bereiche Science und Humanities, um mangels einer vergleichbar aussagekräftigen deutschen Bezeichnung diese englischen Termini zu bemühen.
Dieses Schisma, das in Leipzig erst 1951 mit der Aufteilung der alten Philosophischen Fakultät in sogar drei Fakultäten – neben der Philosophischen und der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen wurde auch noch eine Gärtnerisch-Landwirtschaftliche Fakultät gegründet – vollzogen wurde, fand anderenorts zum großen Teil bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt. Daniela Wuensch beschreibt dies in [Wuensch 2010] kenntnisreich für das Schisma der Göttinger Universität im Jahre 1922.
Mit dem digitalen Wandel und dem Aufkommen einer „Digital Humanities“ geraten diese Animositäten und Befindlichkeiten neu auf den Prüfstand. Die unmittelbaren Akteure scheinen hier einen gewissen Handlungsbedarf zu sehen, für die etwas ferneren – die etwa im Hoch-N-Netzwerk Hochschulen mit Bundesmitteln auf den Pfad der Nachhaltigkeit führen wollen – scheint ein solches Thema nicht einmal als Randthema zu existieren.
Grund genug, für unser nächstes Interdisziplinäres Gespräch die Frage aufzuwerfen, wie eine nachhaltige Hochschulentwicklung im Gestrüpp dieser Schismen, Animositäten und Befindlichkeiten überhaupt Gestalt annehmen kann.
Um Anmeldung an graebe@informatik.uni-leipzig.de wird gebeten, um die Teilnehmerzahl abschätzen zu können.
Impulsbeiträge:
- Nadine Schumann, Philosophie, Uni Leipzig: tba
- Dr. Andreas Bischof, Medieninformatik, TU Chemnitz: tba
- Dr. Reinhard Messerschmidt, WBGU-Referent für Digitalisierung, Berlin: „Digitalisierung und Nachhaltigkeit – über disziplinäre und epistemologische Grenzen hinweg?“
Mehr unter http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?HansGertGraebe/LeipzigerGespraeche/2019-07-12
