Tag der Provinienzforschung des Musikinstrumentenmuseums Leipzig [virtuell]

Virtuelle Tagung
Organisiert vom Musikinstrumentenmuseum Leipzig

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Gern möchten wir Sie zum TAG DER PROVENIENZFORSCHUNG in das MUSIKINSTRUMENTENMUSEUM DER UNIVERSITÄT LEIPZIG einladen, um drei gegenwärtige Forschungsvorhaben vorzustellen:

MITTWOCH 14. April 2021, 15–16 Uhr
Den Link können Sie erfragen an FDHL[at]uni-leipzig.de.

MUSIKINSTRUMENTE SAMMELN IN DER DDR (Prof. Dr. Josef Focht)
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Sowjetischen Besatzungszone ein drastischer Systemwechsel vollzogen, in dem u.a. weitreichende Verstaatlichungen umgesetzt wurden. Die Sowjetische Militäradministration (ab 1945) und die DDR (ab 1949) bedienten sich dabei auch des Musikinstrumentenmuseums der Karl-Marx-Universität etwa in Angelegenheiten der Verwaltung, Verwahrung und Verwertung kollektiven Eigentums, also z.B. beim Übergang von privaten Musikinstrumenten oder ganzen Sammlungen in den Besitz oder die Obhut des Staates. So wurden von etwa 1960 bis zur Wende verschiedene Sammlungen von Musikinstrumenten aus kommunalen Museen oder Kultureinrichtungen der DDR in das Musikinstrumentenmmuseum ‚umgesetzt‘. Diese Verfahren sollen in einem Provenienzforschungsvorhaben beleuchtet und dokumentiert werden.

LOST AND FOUND – Eine Klarinette für Louis Spohr (Dr. Heike Fricke)
Louis Spohr komponierte zwischen 1808 und 1828 vier Konzerte für die Klarinette, die alle dem Sondershausener Klarinettisten Simon Hermstedt zugedacht waren. Dem ersten Konzert, das – wie Spohr schreibt – „dem Klarinettisten auf den ersten Blick unausführbar schien“, stellte er eine Beschreibung jener „Verbesserungen“ voran, welche Hermstedt an seinem Instrument vorgenommen habe. Über die Klarinetten von Hermstedt ist nichts bekannt, doch hatte sich im Nachlass seines Schülers, des Fürsten Günther Friedrich Carls I., ein Instrument erhalten, das sich im Sondershausener Schlossmuseum befand. Diese Klarinette ging aber im Zweiten Weltkrieg verloren, so dass nur eine Fotografie und ein beschreibender Text bekannt waren. Bis kürzlich beide Klarinetten wieder ans Tageslicht kamen. Wo sind sie gewesen und über welche Stationen kamen sie ins Museum?

DIE SAMMLUNG KAISER-REKA (Philipp Hosbach)
Zum Ausgleich der nach 1943 eingetretenen Kriegsverluste eines bedeutenden Teils seiner Objektsammlung (von über 1100 Musikinstrumenten) konnte das Musikinstrumentenmuseum der damaligen Karl-Marx-Universität Leipzig im Juli 1960 die Sammlung Kaiser-Reka aus dem Heimatmuseum Brandenburg/Havel erwerben. Diese Sammlung von etwa 300 Musikinstrumenten war in der Zwischenkriegszeit wesentlich angewachsen. Sie weist eine Reihe von Verdachtsmomenten hinsichtlich ihrer Vorbesitzer auf. So stammt ein unerwartet hoher Anteil der Objekte aus Frankreich, Belgien und den ehemaligen französischen Kolonialgebieten. In diesem Kontext ist insbesondere dem Verdacht nachzugehen, ob sie vom sog. ‚Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg‘ im Gefolge der nationalsozialistischen Wehrmacht von Paris nach Leipzig verbracht wurden. Dies wird gegenwärtig in einem vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Vorhaben erforscht.