Bericht zum Digital Humanities Day Leipzig 2025

Am 2. Dezember 2025 fand der 9. Digital Humanities Day Leipzig (DHDL) erneut im Vortragssaal der Bibliotheca Albertina statt. Dieses Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto „gAIsteswissenschaften – Künstliche Intelligenz in den Digital Humanities“ und bot einen inspirierenden Rahmen für wissenschaftliche Diskussionen, praxisorientierte Einblicke und vielfältige Möglichkeiten zum Austausch. Etwa 160 Personen sind der Einladung gefolgt – dies belegt eindrucksvoll das kontinuierlich steigende Interesse an den Digital Humanities an Universität, Akademie und weiteren Forschungseinrichtungen in Leipzig und der Region.

Die Veranstaltung begann um 12 Uhr mit einer Begrüßung durch UB-Vizedirektorin Dr. Henriette Rösch und Prof. Dr. Manuel Burghardt, beide Mitglieder im FDHL-Vorstand. Im Anschluss hielt Dr. Christopher Pollin (Universität Graz/Digital Humanities Craft), vorgestellt von PD Dr. Franziska Naether, eine faszinierende Keynote mit dem Titel „Whaat!? Ihr vibe-coded eure Forschungstools nicht? Neue Wege und neue Probleme als Digital Humanities Entwickler:in“. Erstmalig wurde die Keynote dieses Jahr in Kooperation mit dem Leipzig Research Centre Global Dynamics (ReCentGlobe) auch als Teil des Globe Colloquiums angeboten. In seinem Vortrag stellte Pollin das Konzept des Promptotyping vor, eine innovative Methode, die die systematische Anwendung von Large Language Models (LLMs) in der Softwareentwicklung für die Digital Humanities beschreibt. Er diskutierte dabei nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern auch die sich wandelnde Rolle von DH-Entwickler:innen, die künftig stärker methodisch-inhaltliches Denken und präzises Requirements Engineering betreiben müssen. Die Keynote wurde mit großem Interesse aufgenommen und bildete einen zentralen Diskussionspunkt des Tages.

Im Anschluss an die Keynote folgten 15 kurze Poster Pitches, in denen die Teilnehmer:innen ihre Posterbeiträge in je 60 Sekunden vorstellten. Die thematische Bandbreite war beeindruckend: von KI-gestützten Analysen über digitale Editionen bis hin zu innovativen Visualisierungsansätzen. Die darauf folgende Poster-Session, die bis 16 Uhr andauerte, bot eine exzellente Gelegenheit zum Austausch, thematischer Vertiefung und zur Vernetzung. Die Besucher:innen hatten die Möglichkeit, die Projekte genauer zu erkunden, Fragen zu stellen und mit den Forscher:innen ins Gespräch zu kommen. Alle Gäste konnten zudem für das beste Poster in den beiden Kategorien Thema und Design abstimmen. Am Ende der Veranstaltung moderierte Uwe Kretschmer die Preisverleihung, auf der die drei besten Poster jeweils mit einem Buchpreis prämiert wurden, was den Abschluss des Tages bildete. Und das sind die Gewinner:

  1. Kafka in Play – Zur computergestützten Spurensuche nach intertextuellen Referenzen in digitalen Spielen
    (Dîlan Canan Çakir, Manuel Burghardt, Mark Schwindt)
  2. VINDA – Visual Interface for Networked Digitized Archives
    (Marius Behret, Peter Mühleder, Ewa Tomicka-Krumrey, Jannis Klähn, Klaus Schmidt, Willi Hameister, Franziska Naether, Dirk Goldhahn)
  3. Tracing Stories of Migration. Jüdische Fluchtschicksale zwischen Wien und Shanghai
    (Peter Kannewitz, Martin Schlenk)

Die Ergebnisse des Votings sind hier einsehbar.

Hier findet sich eine Übersicht über alle Posterbeiträge.

Die Poster werden, wie schon in den Vorjahren, auf QUCOSA publiziert.

Der DHDL25 hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen Wissenschaftler:innen, Entwickler:innen und Interessierten ist, um die Potenziale der Digital Humanities zu erschließen. Die Veranstaltung bot eine Plattform für inspirierende Diskussionen, neue Perspektiven und zukunftsweisende Ideen. Mit ihrer gelungenen Mischung aus theoretischen und praktischen Beiträgen hat sie die Digital Humanities-Community in Leipzig und darüber hinaus sichtbar gestärkt. Wir freuen uns bereits auf den nächsten Digital Humanities Day Leipzig 2026 – dem 10.! und damit der Tagung mit der größten Kontinuität am Dies Academicus – und die weiteren Entwicklungen in diesem faszinierenden Forschungsfeld!

Das Organisationsteam bildeten in diesem Jahr Manuel Burghardt, Uwe Kretschmer, Franziska Naether, Martin Schlenk und Ninja Steinbach-Hüther von Universität und Akademie. Dank gebührt der UB Leipzig für die stets gute Zusammenarbeit und Gastfreundschaft, der Universität und SAW Leipzig für ihre Unterstützung sowie den Hilfskräften Luise Schmidt und Luca Zimmermann für ihren engagierten Einsatz. Die Keynote von Christopher Pollin wurde dank des Teams vom Leipzig Research Centre Global Dynamics (ReCentGlobe) aufgezeichnet und ist hier auf YouTube verfügbar.

Fotos: Erik Körner, Franziska Naether, Ninja Steinbach-Hüther