DHDL 2023: Projekte

Übersicht


A Scalable View on the Visual Narrative: Exploring Relationships in News Videos


Nicolas Ruth (Computational Humanities Group – Universität Leipzig); Bernhard Liebl (Computational Humanities Group – Universität Leipzig); Manuel Burghardt (Computational Humanities Group – Universität Leipzig)

In den Digital Humanities hat sich das Distant Reading als makroanalytische Methode etabliert, die das traditionelle Close Reading von Texten neu denkt, erweitert und ergänzt. So entstand der Bedarf nach einer Hybridform, dem Scalable Reading. In ähnlicher Weise förderte der Erfolg des textbasierten Distant Reading die Entstehung des Distant Viewing im Bereich visueller Medien. Schließlich entwickelte sich auch hier die Kombination von individueller Betrachtung und struktureller Analyse, genannt Scalable Viewing.

Unabhängig von der Art der Daten spielen Visualisierungen eine zentrale Rolle in den Paradigmen. Besonders bei visuellen Medien stellt die skalierbare Perspektive auf dynamische Inhalte eine herausfordernde Aufgabe dar. In diesem Beitrag präsentieren wir einen innovativen Ansatz zur explorativen Visualisierung von Beziehungen und Ähnlichkeitsmustern innerhalb einer Videosammlung. Unsere Forschung basiert auf dem laufenden „Fake Narratives“-Projekt, das sich mit narrativen Desinformationsstrategien in deutschen Nachrichtenvideos befasst.

Der erste Schritt des Verfahrens beinhaltet die Erstellung der Visualisierungsdaten. Hierfür berechnen wir zunächst CLIP-Embeddings für die Frames der Nachrichtenvideos im Datensatz, die semantische Merkmale in hochdimensionalen Vektoren erfassen. Mit Hilfe von Dimensionsreduktion und HDBScan-Clustering, werden Frame-Cluster gruppiert, die eine semantische Ähnlichkeit aufweisen. Beispiele errechneter Cluster sind Frames mit Bezug zur Coronapandemie und ein anderes mit ukrainischen Führungspersonen. Diese Cluster und ihr Auftreten in Nachrichtenvideos werden in einem Graphen dargestellt, bei dem Cluster als Knoten und das gemeinsame Auftreten in einem Video als Kante zwischen den Knoten fungieren. Ein zweiter Graph bildet die Kanten basierend auf der Korrelation der Cluster. Diese Graphen sind das zentrale Fundament der Visualisierung und werden interaktiv in einer 3D-Umgebung präsentiert. Dabei sind sie mit Informationen angereichert und erlauben eine nahtlose Interaktion zwischen Close- und Distant Viewing. 

Wir stellen hier also einen neuartigen Ansatz vor, der dichtebasiertes Clustering und Graphenmodellierung kombiniert, um eine skalierbare Anwendung zur Erforschung von Ähnlichkeitsmerkmalen in Nachrichtenvideos zu erstellen. Der Ansatz ist dabei auf andere Videodatensätze übertragbar.

Website: https://github.com/Nicolas-le/from-clusters-to-graphs

Birds of a feather? Veränderte Beziehungen im äußerst rechten Spektrum infolge des Ukraine-Konflikts

Elisabeth Oertel (Hannah-Arendt-Institut an der TU Dresden e.V.)

Der Ukraine-Konflikt seit 2014 und seine Eskalation in den Angriffskrieg im Februar 2022 stoßen im äußerst rechten Spektrum auf bestehende Meinungen zu, Positionierungen gegenüber und Beziehungen mit Russland und der Ukraine sowie den dortigen Akteuren. Zugleich vernetzen sich Rechtsaußen-Akteure zunehmend transnational. Das Projekt will untersuchen, auf welche Weise sich Konflikt bzw. Krieg auf Aufbau, Erhalt oder Aufkündigung von Beziehungen in diesem politischen Spektrum ausgewirkt hat. Zu diesem Zweck sollen Methoden der Netzwerk- und Inhaltsanalyse kombiniert werden.

Das Projekt soll dazu beitragen, die quantitative Netzwerkanalyse um Kontexte und Motivationen zu erweitern, die üblicherweise unzureichend in den Blick genommen werden. Die Erhebung und Auswertung solcher „inhaltlicher“ Daten, die über Positionierungen, Einschätzungen und Beweggründe Auskunft geben, erfordert ein hohes Maß an „menschlicher“ Arbeit durch Sichtung und Codierung entsprechender Quellen. Demgegenüber stehen die Möglichkeiten, Netzwerkdaten in großen Mengen über Internetplattformen zu gewinnen, die jedoch für sich genommen in ihrer Aussagekraft eingeschränkt sind. Die Relevanz des Projektes für die Digital Humanities liegt demzufolge in der Ausleuchtung von Potenzialen, wie etwa Natural Language Processing oder ähnliche Verfahren dabei helfen können, beide Perspektiven zu integrieren und die Erhebung bzw. Auswertung vergleich- und kombinierbarer Daten zu ermöglichen.

Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532. Reformation im Kontext frühneuzeitlicher Staatswerdung

Armin Kohnle, Prof. Dr. phil. habil. [Projektleiter, OM, Philologisch-historische Klasse]; Manfred Rudersdorf, Prof. Dr. phil. habil. [Projektleiter, OM, Philologisch-historische Klasse]; Beate Kusche, Dr. phil. [Arbeitsstellenleiterin]; Alexander Bartmuß, Dipl. theol. [Wissenschaftlicher Mitarbeiter]; Konstantin Enge, Dipl. theol. [Wissenschaftlicher Mitarbeiter]; Ulrike Ludwig, Dr. phil. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]; Lucas Wölbing, M.A. [Wissenschaftlicher Mitarbeiter]
(Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig)

Die beiden Brüder Friedrich und Johann von Sachsen waren Schlüsselgestalten der frühen Reformationsgeschichte. Als Landesherren Martin Luthers schufen sie den politischen Rahmen für die Ausbreitung und Verfestigung der Wittenberger Reformation im wettinisch beherrschten mitteldeutschen Raum und darüber hinaus.

Das Editionsprojekt macht die kirchenpolitischen Akten dieser beiden herausragenden Reformationsfürsten erstmals in einer gedruckten und einer elektronischen Fassung für die kirchen- und allgemeinhistorische Forschung zugänglich.

Sämtliche Briefe werden mittels Client-Server-Architektur in einer Datenbank (FuD) erfasst und weiterverarbeitet. Neben der gedruckten Edition wird nach und nach eine Online-Forschungsplattform gefüllt (http://bakfj.saw-leipzig.de) und weiter ausgebaut. Auf der Forschungsplattform sind mittlerweile 2542 Schriftstücke erfasst. Alle Daten sind jederzeit als TEI-XML abrufbar und nutzbar. Regelmäßig werden die Metadaten der erfassten Schriftstücke an correspSearch übermittelt, so dass dort mittlerweile 2001 Dokumente abrufbar sind.

Für die Forschungsplattform sind weitere Analysetools geplant, die z. B. eine niederschwellig zugängliche Netzwerkanalyse der Korrespondenzpartner oder die Anwendung der Daten auf digitalem Kartenmaterial zur Erstellung von Itineraren erlauben.

Website: http://bakfj.saw-leipzig.de

Chinese Engineers Relational Database (CERD)

Thorben Pelzer (Leipzig SFB 1199); Elisabeth Kaske (Leipzig GKR); Hailian Chen (Bochum)

CERD is a database of engineers from the Chinese Republican period (1912–1949). It is based on various digitised historical sources and serves as a prosopographic catalogue of individuals, their education and employment, and the institutions connected with it. Most biographical events have geographical information attached to them. The data can be used freely by researchers to answer individual research questions. Since its release, the database has been cited in books, journals, and Wikipedia articles.

The database will be extended in upcoming releases. First, this includes additional primary sources that will help paint a better picture of the professional engineering world after 1937, particularly after 1949. Planned additions include vast chunks of Japanese and Collaborationist engineers (thanks to archival findings at the Tokyo University and Tokyo Tech archives), hundreds of engineers active in post-war Taiwan (1940s to 1970s), and an even larger quantity of PRC-era engineers. These additions will allow for more significant prosopographic research, as the career trajectories of the Republican-era engineers can be extended to the post-war era. Second, paying tribute to the high mobility of not just individuals but also institutions, CERD will start time-stamping the (previously static) geodata attached to colleges and industry. Third, in cooperation with ENP-China (Aix-Marseille), CERD will soon provide matching IDs of other biographical and geospatial databases to allow for analysis across different datasets. Fourth, new releases will include better documentation, including code templates, to aid researchers in abandoning the online interface and analysing the data through their own external tools.

Website: https://home.uni-leipzig.de/cerd

Comparison of MusicXML export capabilities of different scorewriters

Klaus Rettinghaus (Enote GmbH), Kaspar Querfurth (Enote GmbH), Gerrit Bogdahn (Enote GmbH)

In der digitalen Musikwissenschaft ist der weithin angenommene De-facto-Standard für die Erstellung digitaler kritischer Ausgaben das von der Music Encoding Initiative (MEI) definierte Kodierungsformat. Der übliche Arbeitsablauf zum Erreichen der gewünschten Kodierung beinhaltet jedoch die Verwendung etablierter WYSIWYG-Notationssoftware.

Die Partituren werden meist auf herkömmliche Weise vorbereitet und dann in das MusicXML-Format exportiert, um anschließend in MEI konvertiert zu werden. Während alle Programme den Export von grundlegenden Merkmalen wie Noten, Takten, Schlüsseln und Tonarten gut beherrschen, gibt es bei komplexerer Notation deutliche Unterschiede in der Funktionalität.

Wir haben untersucht, welchen Notationsmerkmale die vier beliebtesten Programme exportieren können. Digitale Musikeditionsprojekte können anhand unserer Ergebnisse ihren (geplanten) Workflow gegebenenfalls optimieren.

Forschungsinfrastruktur für digitale Editionen historischer Reiseberichte (DEHisRe)

Anna Ananieva (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Sandra Balck (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Jacob Möhrke (Wissenschaftlicher Mitarbeiter), Ingo Frank (asoziierter Wissenschaftler), Hermann Beyer-Thoma (asoziierter Wissenschaftler)

Das DFG-Projekt DEHisRe arbeitet an der Konzeption einer Forschungsinfrastruktur für die digitale Transkription, Annotation und Visualisierung von historischen Reiseberichten. Das Projekt zielt darauf ab, innovative Visualisierungen und Ontologie-Konzepte für Reiseberichte und Reiserouten zu erforschen, einschließlich eines speziellen Annotationschemas zur Verknüpfung relevanter Textpassagen. Weitere Schwerpunkte bilden die teilautomatisierte Handschriftenerkennung mit Transkribus sowie die Integration der „Named Entity Recognition“ (NER). Als Fallstudie dient die digitale Edition des Reiseberichts Franz Xaver Bronners (1758–1850), der 1810 als Professor für theoretische Physik von Aarau in der Schweiz an die russische Universität Kasan an der Wolga ging und 1817 in die Schweiz zurückkehrte.

Website: https://dehisre.ios-regensburg.de/

Forschungsportal Bach

Peter Wollny (Bach Archiv Leipzig); Christine Blanken (Bach Archiv Leipzig); Wolfram Enßlin (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig); Nikolas Georgiades (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig); Christiane Hausmann (Bach Archiv Leipzig); Bernd Koska (Bach Archiv Leipzig); Michael Maul (Bach Archiv Leipzig); J. Nathanael Philipp (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig); Nadine Quenouille (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig); Till Reininghaus (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig); Gregor Richter (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig); Markus Zepf (Bach Archiv Leipzig)


Ziel des Projekts  „Forschungsportal Bach“ ist der Aufbau eines umfassenden Online-Repositoriums, das Zugang zu allen erhaltenen Dokumenten der Musikerfamilie Bach – der einflussreichsten Familiendynastie in der Musikgeschichte – vom späten 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert bietet. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bachforschung wird das Material, das in Bibliotheken, Archiven und Privatsammlungen erhalten ist, digital erfasst, indiziert, verarbeitet, annotiert und via Online-Portal zugänglich gemacht. Die digitalisierten Dokumente werden mittels „Transkribus“ automatisch transkribiert, mit Hilfe des TEI Publishers annotiert und schließlich als digitale Edition veröffentlicht. Dabei werden u.a. die in den Dokumenten erwähnten Werke sowie Wasserzeichen ausgewählter Archivalien mit dem Portal „Bach digital“ verknüpft.

Website: https://www.saw-leipzig.de/de/projekte/forschungsportal-bach

Handschriftenportal (HSP). Entwicklung eines zentralen Onlineportals für Erschließungs- und Bilddaten zu Buchhandschriften

Dr. Anne Lipp (UBL), Dr. Christoph Mackert (UBL), Leander Seige (UBL), Annika Schröer (UBL)

Seit Oktober 2018 entsteht im Rahmen eines DFG-Projekts das deutsche ‚Handschriftenportal’ (HSP): ein zentraler digitaler Ort, wo erschließende und wissenschaftliche Textinformationen zu den europäischen Buchhandschriften des Mittelalters und der Neuzeit deutscher Kultureinrichtungen zusammen mit den Digitalisaten der Originalobjekte verfügbar gemacht werden. Das HSP stellt damit in großem Umfang Forschungsdaten zum handgeschriebenen Kulturgut bereit, erlaubt differenzierte Suchanfragen und gewährleistet dank dem IIIF-Standard internationale Interoperabilität. In der derzeit laufenden zweiten DFG-Förderphase wird das HSP zu einer virtuellen Forschungsumgebung ausgebaut: Nutzende werden künftig Inhalte des Portals bearbeiten, teilen und über eine Publikationsfunktion im Portal selbst anreichern können. Damit durchbricht das HSP erstmals die Einbahnstraßenkommunikation, die ansonsten Rechercheportalen öffentlicher Einrichtungen eigen ist, und öffnet sich der Schwarmintelligenz der Forschenden. Gleichzeitig werden die Daten im Portal als Normdaten nach LOD-Prinzipien für die Nachnutzung bereitgestellt und ermöglichen damit Auswertungsprozesse für DH-Ansätze. Ein mächtiges Normdatenmodul sorgt dabei für Austausch mit der zentralen Normdatenplattform GND und spielt dort HSP-eigene Normdaten ein. Diese DH-relevanten Aspekte sollen im Beitrag auf dem DHDL profiliert werden.

Die gesamte Projektdurchführung folgt den Verfahren der Agilen Softwareentwicklung unter konsequenter Nutzung von Open Source-Software und in Orientierung auf Linked Open Data-Prinzipien. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, der Universitätsbibliothek Leipzig, der Bayerischen Staatsbibliothek sowie der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Eine professionelle UX-Begleitung gewährleistet die Einbeziehung des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaften der Humboldt-Universität Berlin in das Projekt.

Website: https://handschriftenportal.de; https://www.ub.uni-leipzig.de/forschungsbibliothek/projekte/projekte-chronologisch-alle/handschriftenportal-entwicklung-eines-zentralen-onlineportals-fuer-erschliessungs-und-bilddaten-zu-buchhandschriften/

Hirnforschung an Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Kontext nationalsozialistischer Unrechtstaten: Hirnpräparate in Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und die Identifizierung der Opfer

Aisling Shalvey (Nationale Akademie der Wissenschaften – Leopoldina), Oliver Mahrle (Nationale Akademie der Wissenschaften – Leopoldina), Salina Grünwald (Nationale Akademie der Wissenschaften – Leopoldina)

Dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat fielen nicht zuletzt auch jene Menschen zum Opfer, an denen Menschenversuche durchgeführt wurden. Zu ihnen zählen auch jene, an deren Hirngewebeproben in den Kaiser-Wilhelm-Instituten geforscht wurde. Diese Gewebeproben verblieben oft auch nach 1945 in den Sammlungen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und später in Institutssammlungen der Max-Planck-Gesellschaft und wurden zum Teil weiter für Forschung und Lehre verwendet. 

Die Max-Planck-Gesellschaft will diesen Teil ihrer Geschichte aufarbeiten und fördert daher seit 2017 das Datenbankprojekt “Hirnforschung an Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Kontext nationalsozialistischer Unrechtstaten: Hirnpräparate in Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und die Identifizierung der Opfer”, das wir beim DHDL 2023 vorstellen wollen.

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, die verbliebenen Präparate zu erfassen, die Opfer zu identifizieren und wo immer möglich ihre Lebensgeschichte zu rekonstruieren. Die größte Opfergruppe besteht aus psychiatrischen Patient:innen, die im Rahmen von “Euthanasie”-Programmen ermordet wurden. Weitere Gruppen waren Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter:innen und hingerichtete Personen des NS-Justizsystems, Opfer der medizinischen Forschung in Dachau und vertriebene Jüd:innen aus dem von Deutschland besetzten Polen.

Ein zentrales Ergebnis des Projektes wird eine Datenbank mit Daten zur Biografie der Opfer, zum Weg der Gewebeproben durch die Institutionen und zu den entsprechenden Archivquellen sein. Biografische Daten meint hier zum Beispiel Geburts-, Lebens- und Sterbedaten, Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken oder in Konzentrationslagern und Informationen zum familiären Hintergrund. Die Einträge in der MySQL-Datenbank werden von Projektmitarbeitenden mit einem selbstentwickelten Content Management System (CMS) erstellt und bearbeitet. Nach Projektende werden die Daten öffentlich zugänglich gemacht. Dazu wird eine Webseite mit dem PHP-Framework Laravel entwickelt, die Informationen über das Projekt bereitstellt und den Zugriff auf Datensätze der Datenbank ermöglicht. Ein mehrstufiges Zugangskonzept sorgt dafür, dass schützenswerte Daten nur für legitimierte Forschende zugänglich sind.  

Ergänzend zur Datenbank wird es Veröffentlichungen mit kurzen Biografien von Opfern geben, die die Personen hinter den Leidensgeschichten sichtbar machen sollen.

Website: https://www.leopoldina.org/ueber-uns/zentrum-fuer-wissenschaftsforschung/projekte/hirnforschung/

Kulturerbe Tanz in der DDR. Pilot-Projekt zur Modellierung von Ereignisdaten unter exemplarischer Berücksichtigung des Erfahrungswissens von Expert:innen

Melanie Gruß (Universität Leipzig); Philipp Sauer (Sächsische Akademie der Wissenschaften); Uwe Kretschmer (SAW); Caroline Helm (Universität Leipzig); Leopold Mehlhose (SAW); Patrick Primavesi (Universität Leipzig); Franziska Naether (SAW)

Informationen und Dokumente zur Tanzgeschichte der DDR befinden sich vor allem in den Beständen des Tanzarchivs Leipzig (ehemals Tanzarchiv der DDR), die an der Universitätsbibliothek Leipzig bereits objektbezogen erschlossen wurden. Auf dieser Grundlage untersucht das Projekt an ausgewählten Beispielen, wie sich Daten zu den beteiligten Personen, Institutionen, Orten und Veranstaltungen bzw. Aufführungen verknüpfen lassen, um sie besser nutzen zu können.

Im Projekt soll ein geeignetes Datenmodell entwickelt werden, das in der Lage ist, eine Vielzahl von Quellentypen (Schriftdokumente wie Berichte, Briefe, Urkunden, Programmhefte und Verwaltungsakten sowie auch Fotos, Plakate und Filme) zu erfassen und mit Metadaten zu versehen und gleichzeitig der Komplexität der betrachteten Veranstaltungsformate und gesellschaftlichen Kontexte der jeweiligen Ereignisse – von Premieren und Gastspielen über Tanzfeste und Festivals bis hin zu Arbeiterfestspielen und Wettbewerben – gerecht zu werden.

Die damit gewonnenen Informationen sollen durch exemplarische Interviews mit Zeitzeug:innen zusätzlich überprüft und kontextualisiert werden. Dadurch kann das persönliche Erfahrungswissen mit weiteren Informationen, auch aus schon vorliegenden Publikationen und anderen Forschungsprojekten, vernetzt und online recherchierbar gemacht werden. Zur Erfassung und zur Ermöglichung eines Zugangs zu den Daten sollen die digitalen Infrastrukturen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften genutzt und für die spezifischen Anforderungen des Projekts weiterentwickelt werden, um insbesondere für die Forschungsdaten zu Tanz-Ereignissen neue Anwendungsbereiche zu erschließen.

Moving Data – Sicherung und Weiterentwicklung einer Wissensbasis zu Unruhestiftern und weitere Akteur:innen in DDR-Kirchenkreisen

Philipp Sauer (SAW), Anke Silomon (SAW), Peter Mühleder (SAW), Dirk Goldhahn (SAW), Franziska Naether (SAW), Ilse Junkermann (Universität Leipzig), Alexander Deeg (Universität Leipzig)

Das Projekt zur Umsetzung einer Digitalen Forschungsumgebung zur Kirchengeschichte hat zwei zentrale Säulen:

  • eine Datenbank mit strukturierten Informationen zu in der DDR in kirchlichen und nicht-kirchlichen Institutionen aktiven Personen, sowie der Institutionen und Gruppen, in denen sie organisiert waren
  • eine umfassende, thematisch gegliederte und offen zugängliche Forschungsbibliographie

sowie die Verknüpfung dieser beiden Ressourcen.

Beide basieren auf Daten, die im Vorgängerprojekt “Who is Who in den Kirchen der DDR” von der Forschungsstelle “Kirchliche Praxis in der DDR” an der Universität Leipzig erhoben und auf einem Confluence-Wiki-Service von DARIAH-DE verwaltet wurden, dessen endgültige Abschaltung im Juni 2023 die Notwendigkeit einer neuen Plattform für die Projektdaten aufbrachte.

Im Rahmen des Projekts konnten 2.000 individuelle und 1.000 überindividuelle, in Textform vorliegenden Biogramme aus dem Vorgängerprojekt in einen strukturierten Wissensgraphen übertragen werden. Dafür wird die an der SAW entwickelte Software weedata verwendet und weiterentwickelt. Diese ermöglicht die Erstellung eines Datenmodells unter Einbindung standardisierter Vokabulare im SKOS-Format, Literatur- und Quellenverwaltung, beinhaltet einen Reconciliation-Service zur Anreicherung der Daten aus Normdatenquellen und bietet über RDF-Import und Export auch Möglichkeiten zum Datentransfer. 

Bei der Übertragung wurden automatisierte Verfahren der Textextraktion und zur Verknüfung mit Normdaten angewandt. Um eine angemessene Datenqualität sicherzustellen wurden problematische Einträge automatisiert markiert und durch Hilfskräfte kontrolliert.

Die Software wurde im Zuge dessen um ein Feature für die Integration von Zotero-Bibliographien ergänzt. Die bereits existierende Forschungsbibliographie mit 5400 Einträgen wurde teilautomatisiert in eine offene Zotero-Library übertragen und mit den Personeneinträgen im Wissensgraphen verknüpft.

 Als Ergebnis stehen ein robuster Linked Data Datensatz, der im weiteren Verlauf des Projekts noch weiter angereichert wird, und eine offene Projektbibliographie als Fundament für weitere Forschung. Zudem konnte die verwendete Software um wichtige Funktionen wie die bereits erwähnte Zotero-Schnittstelle, eine detaillierte Suchfunktionen und Möglichkeiten zu Aufgabenkoordination in Teams erweitert werden.

Website: https://www.saw-leipzig.de/de/projekte/kirchliche-praxis-in-der-ddr

Neue Zugänge zur NS-Tageszeitung “Der Freiheitskampf”

Henrik Selle (TU Dresden); Jingyi Yu (TU Dresden); Paul Zimmermann (TU Dresden); Anne Klammt (HAIT)

Im Mittelpunkt des studentischen Projekts steht die Entwicklung verschiedener Zugänge zur NS-Tageszeitung „Der Freiheitskampf”, mit dem langfristigen Ziel, einzelne Themen für einen Wissenstransfer aufzubereiten.

Am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der TU Dresden (HAIT) wird in einem Langzeitvorhaben die von 1930 bis 1945 erschienene NS-Tageszeitung „Der Freiheitkampf” als Quelle für die historische Betrachtung der nationalsozialistischen Herrschaft in Sachsen erschlossen. Das Ergebnis ist eine Datenbank, die als detailliertes digitales Findbuch Expertinnen und Experten die gezielte Suche nach Artikeln aus der Zeit von 1930 bis Mai 1945 erlaubt. Im Zuge der noch laufenden Erschließung haben die Bearbeiter jedoch bereits Themen identifiziert, die geeignet sind, um z. B. Studierenden exemplarisch die Funktionsweise einer Parteizeitung und allgemein der staatlich gelenkten Presse im Nationalsozialismus anschaulich zu machen und ihre historisch-kritische Betrachtung zu erlernen. Aktuell aber wird eine solche Rezeption schon alleine dadurch erschwert, dass die Digitalisate keine Volltexterschließung aufweisen – was angesichts der weitgehenden Verwendung von Fraktur und dem komplexen Layout der Zeitung nicht überraschend ist. Ein weiteres Hemmnis ist, dass trotz der wissenschaftlichen Verschlagwortung, das eigentliche Finden inhaltlicher Zusammenhänge eine hohe Sachkenntnis zum Nationalsozialismus voraussetzt. Schwer einzuordnen ist für heutige Leser:innen schließlich die Sprache der Zeitung, bei der ohne Vorkenntnisse vielfach kaum einschätzbar ist, was wirklich spezifisch für die Ideologie der Zeitung ist und was in der ersten Hälfte des 20. Jh. über die politischen Lager hinweg allgemeiner Sprachgebrauch war.

In drei Teilprojekten wird erprobt, inwieweit digitale Methoden zu einer Überwindung der genannten Hemmnisse beitragen können und so einzelne Themen aus der Erschließung der Tageszeitung für den Wissenstransfer aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden könnten. Das Teilprojekt 1 (Henrik Selle) geht von der Datenbank aus und entwickelt verschiedene Auswertungen, mit denen etwa personale Netzwerke, thematische Bezüge und zeitliche Frequenzen fassbar werden. Als Testfall wird dabei die Berichterstattung zu den Sudetendeutschen und dem Sudetendeutschen Freicorps 1938 genommen. Die automatische Erkennung und Annotation der in der Datenbank erfassten Artikel anhand der Überschriften auf den Digitalisaten ist die Aufgabe des Teilprojekts 2 (Paul Zimmermann). Er befasst sich dazu mit Layoutsegmentierung, OCR und Webannotationen. Wiederum soll die Anwendung schließlich auf die Artikel zu den Sudetendeutschen angewandt werden. Auch das Teilprojekt 3 (Jingyi Yu) befasst sich mit Fragen der Layoutsegmentierung und der OCR-Texterkennung, jedoch mit Blick auf die Erschließung für korpuslinguistische Untersuchungen. Als Testmaterial werden hier Ausgaben der Jahre ab 1942/43 also mit dem Beginn der massiven militärischen Misserfolge der Wehrmacht und deren propagandistischer Umdeutungen.

Das Projekt wird unter der Koordination der Verantwortlichen für DH am HAIT vom Oktober 2023 bis voraussichtlich März 2024 umgesetzt. Das Poster stellt entsprechend *Work in Progress* aus allen drei Teilprojekten vor.

Website: https://hait.tu-dresden.de/ext/forschung/forschungsprojekt-8183/

NEUzeit interaktiv visualisiert

Jana Moser (IfL); Christian Hanewinkel (IfL); Jakob Listabarth (IfL); Mariam Gambashidze (IfL)

DigiKAR (Digitale Kartenwerkstatt Altes Reich) ist ein Kooperationsprojekt des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz (IEG), des Leibniz-Instituts für Länderkunde Leipzig (IfL), des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung Regensburg (IOS), der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der École des Hautes Études en Sciences Sociales Paris, Frankreich (EHESS).

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe (bestehend aus Historiker:innen, Geograph:innen und Informationswissenschaftler:innen) widmet sich Fragen der Fragmentierung, Verflechtung, Pluralität und Konkurrenz räumlicher Strukturen im frühneuzeitlichen Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (insbesondere 17. und 18. Jahrhundert). Im Fokus stehen zwei Fallstudien aus unterschiedlichen geographischen Regionen und politischen Einheiten des Heiligen Römischen Reiches: die Kurfürstentümer Mainz und Sachsen.

Das IfL entwickelt und erprobt Konzepte zur Visualisierung von Geodaten aus diesen Fallstudien, insbesondere auch in Bezug auf unsichere und unvollständige Daten. Diese Visualisierungen sollen aus den Quellen erschlossene (zum Teil konkurrierende) Raumkonzepte sichtbar machen. Dazu werden Daten nicht flächen-, sondern ortsbezogen modelliert und visualisiert. Durch die Nutzung interaktiver Visualisierungen für raumbezogene Datenanalysen unterstützt das Projekt digital arbeitende Geisteswissenschaften (DH).

Website: https://digikar.eu/

Portal rufus – Rundfunksuche: Aufbau einer Suchoberfläche zur Erschließung und Erforschung der Daten aus dem Fernseh-Produktionsarchiv des ZDF

Dr. Patricia F. Blume (Universitätsbibliothek Leipzig); Martine Karwath (Universitätsbibliothek Leipzig)

An der Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) entsteht eine online verfügbare und einfach zu bedienende Rechercheplattform, die Sendungsinformationen aus dem ZDF-Archiv beinhaltet. Damit wird es erstmals möglich sein, im Produktionsarchiv einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt von außerhalb zu recherchieren. Das Projekt arbeitet eng mit dem Fachinformationsdienst für die Kommunikations-, Medien- und Filmwissenschaft adlr.link zusammen.

Wissenschaftler:innen dieser Disziplinen haben zuvor vielfach den Bedarf geäußert, eigenständig und niedrigschwellig auf Programm- und Sendungsinformationen der Fernsehsender zugreifen zu können. Darüber hinaus stellen die Daten der Rundfunkarchive als audiovisuelles Kulturerbe für viele weitere Forschungsbereiche eine wichtige Quelle dar.

Bislang erfordert die Arbeit mit solchen Informationen umständliche Archivanfragen. Die Rundfunkarchive sind für die interne Nutzung ausgelegt und können aus rechtlichen Gründen nicht ohne Weiteres externen Nutzenden Zugang gewähren.

Das Portal zur Rundfunksuche rufus der UBL begegnet gemeinsam mit dem ZDF der Nachfrage Forschender. Es wird Daten von knapp 500.000 Sendungen bzw. 2 Mio. Beiträgen enthalten. Sie reichen bis zur ersten Ausstrahlung 1963 zurück und decken Eigen- und Koproduktionen des ZDF ab. Für die Recherche wurde ein adäquates Suchinstrumentarium entwickelt. Außerdem lassen sich Sichtungsanfragen für Beiträge unkompliziert an das ZDF-Archiv übermittelt.

Im Projekt wählte zunächst das ZDF seine Metadaten aus. Anschließend wurde an der UBL die Datenstruktur vereinfacht, mit einem übertragbaren Standard versehen und in ein Linked-Open-Data-Format umgewandelt. Gleichzeitig wurden die Metadaten für den Suchindex aufbereitet und die Suchmaschine mit entsprechenden Algorithmen ausgestattet.

Das Portal geht über die Funktion eines bloßen Bestandsnachweises hinaus und bietet einen zusätzlichen Mehrwert zur Gewinnung von Forschungsdaten. Außerdem bietet die im Projekt geschaffene Anwendung eine Struktur, die für weitere Datengeber offen ist.

Die Aufbereitung eines großen, bisher nicht zugänglichen Korpus an Metadaten durch IT-Expert:innen und seine Bereitstellung für geistes- und sozialwissenschaftlich Forschende apostrophiert dieses Projekt deutlich als Vorhaben der Digital Humanities.

Qalamos: Connecting Manuscript Traditions

Christoph Rauch (Staatsbibliothek zu Berlin), Karin Druxes (Staatsbibliothek zu Berlin), Yoones Dehghani Farsani (Staatsbibliothek zu Berlin), Thoralf Hanstein (Staatsbibliothek zu Berlin), Michaela Hoffmann-Ruf (Staatsbibliothek zu Berlin), Anett Krause (Staatsbibliothek zu Berlin), Larissa Schmid (Staatsbibliothek zu Berlin), Beate Wiesmüller (Staatsbibliothek zu Berlin), Michael Becker (URZ Leipzig), Jens Kupferschmidt (URZ Leipzig), Thomas Tabery (Bayerische Staatsbibliothek), Ralf Kramer (Bayerische Staatsbibliothek), Wolfgang Schmitt-Garibian (Bayerische Staatsbibliothek), Gleb Sharygin (Bayerische Staatsbibliothek), Thomas Tabery (Bayerische Staatsbibliothek), Felix Wiedemann (Bayerische Staatsbibliothek)

DFG-Projekt „Qalamos“ − Aufbau eines Verbundkatalogs für orientalische Handschriften (2023-2026)

Mit Qalamos: Connecting Manuscript Traditions steht der Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit eine Plattform zur Verfügung, die einen direkten Zugang zu Metadaten und Digitalisaten orientalischer Handschriftensammlungen in Deutschland ermöglicht. Ziel des Projekts ist, die Zusammenführung von Informationen und Metadaten zu orientalischen Handschriften. In der laufenden Projektphase soll der digitale Nachweis von Handschriften in südasiatischen Sprachen (u.a. Sanskrit, Tamil) – und weiteren Sprachgruppen wie Äthiopisch, Koptisch, Syrisch und Armenisch (Christlicher Orient) – verbessert werden. Neben der Retrokonversion, der Datenmigration und der Standardisierung von Prozessen, soll das Portal, an den Bedarfen der Forschung ausgerichtet, weiterentwickelt werden:

1) Ein verstärktes Engagement im Bereich normierter Daten und eine optimierte Anbindung an andere (Norm-) Datenrepositorien: Dies umfasst neben einer stärkeren Einbindung von GND-Normdaten auch die Bereitstellung weiterer Exportmöglichkeiten in bibliothekarische und LOD-Formate.

2) Die Verbesserung der provenienzbezogenen Recherchemöglichkeiten: Es wird ein Datenmodell für Geographika entwickelt, um örtliche Bezüge von Handschriften (z.B. Translokationen von Handschriften) genauer nachvollziehen und visualisieren zu können. Ein besonderer Fokus liegt dabei in der (Weiter-)Nutzung und Anreicherung existierender Geodaten.

3) Die Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur in Bezug auf aktuelle Forschungsmethoden in den Digital Humanities: So soll eine passgenaue Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Forschung (u.a. Einbindung von IIIF-Manifesten, LOD-Exportangebote, Multilingualität der Navigation) sowie eine Anbindung an semantische Systeme entwickelt werden.

4) Durch eine Usability-Studie soll der Entwicklungsprozess laufend evaluiert werden, um die spezifischen Bedarfe der Forschungscommunity abzubilden. Dies umfasst neben der Frage nach Rechercheansprüchen der Fach-Community auch die leichte Zugänglichkeit für die interessierte Öffentlichkeit.

Website: https://staatsbibliothek-berlin.de/die-staatsbibliothek/abteilungen/orient/aufgaben-/-profil/projekte/restaurierung

Register historischer Normdaten und Vokabulare

Katrin Moeller, Olaf Simons, Katja Liebing, Anne Purschwitz, Julian Freytag, Marius Wegener (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Historisches Datenzentrum Sachsen-Anhalt in NFDI4Memory)

Als Teil von NFDI4Memory arbeiten wir beim Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt innerhalb der Task-Area 2 mit daran, digitale Infrastrukturen für die historisch arbeitenden Wissenschaften zu entwickeln. Hier arbeiten wir vor allem im Bereich der Data Connectivity.

Ein wichtiger Meilenstein unserer Tätigkeit ist die Erstellung eines Online-Registers historischer Normdaten und Vokabulare.

Schon jetzt werden in einer Vielzahl von Forschungsprojekten der Geschichtswissenschaften direkt oder indirekt kontrollierte Vokabulare erstellt. Viele sind den Forschenden, für die sie nützlich sein könnten, jedoch nicht bekannt oder für sie nicht auffindbar.

Wir wollen in einem Register einen Überblick über diese in der historisch arbeitenden Community relevanten Vokabulare geben. Das bestehende Verzeichnis BARTOC wird hierzu inhaltlich erweitert und ergänzt. Hierbei arbeiten wir eng mit der Community zusammen und befinden uns mit dieser in einem Debatten- und Entscheidungsprozess darüber, welche Anforderungen an ein solches Register und die in ihm beinhalteten Vokabulare aus ihrer Perspektive zu stellen sind. Wir wollen also einerseits die Sichtbarkeit bereits nachgewiesener oder zugänglicher Vokabulare für die Fachcommunity erhöhen und andererseits Vokabulare durch den Austausch mit der Community sichten, um einen Nachweis und/oder Zugänglichkeit sowie auch eine Vernetzung von Vokabularen zu ermöglichen. Gleichzeitig dient dieses Register zukünftig für Beratungen und Koordinationsprozesse der GND-Agenturen.

Wir nutzen computergestützte Verfahren, um historisch arbeitenden Personen und Institutionen den Gebrauch, die Aufbereitung, Speicherung und Pflege ihrer Normdaten und Vokabulare zu ermöglichen und gleichzeitig auch die Bereitstellung neuer Vokabulare mit unserer Expertise zu unterstützen.

Wir tragen mit diesem Register zu einer digital vernetzten Forschungsdateninfrastruktur für eine moderne Wissenschaft bei und möchten dieses auf dem Digital Humanities Day vorstellen und mit dem Fachpublikum diskutieren.

Website: https://www.geschichte.uni-halle.de/struktur/nfdi4memory/

(Re-)Thinking African regional organizations’ non-military conflict intervention practices through re-iterative data modeling

Skollan Elisabeth Warnck (Universität Leipzig); Vincent Joshua Schober (Universität Leipzig)

Scholars in the field of international relations, peace and conflict studies, and African peace and security increasingly engage with non-military conflict intervention practices of African regional organizations (ROs). Such interventions are commonly conceived under broad and often normative terms such as peace-making, diplomacy, and/or mediation. Only a few contributions reconstruct these in a database and explicitly employ a conceptually-driven lens of spatial practices. Research that questions what non-military conflict intervention practices actually are and emphasizes category-building is extremely scant. Addressing this gap, we propose to (re-)think African ROs’ non-military conflict intervention practices through conceptual and logical data modeling with the aim to build a database. We draw inspiration from digital humanities (DH) approaches that have shown the productiveness of data modeling to engage critically and in a nuanced manner with empirical categories and to examine ambiguities and frictions in research data, which consists of official documents published by the African Union and the Economic Community of West African States (ECOWAS). Employing nodegoat, a web-based environment for data modeling and data construction, the poster presents our data model and re-iterative approach as well as current challenges in reconstructing non-military conflict intervention practices of two African ROs in and through a database. The project is part of the larger BMBF-funded joint research network “African non-military conflict intervention practices” (ANCIP). Through our focus on data modeling, research data, and ambiguities, this project is part of the DH and speaks especially to methodological and empirical debates of scholars in international relations, peace and conflict studies, and African peace and security. We sustain that data modeling as promoted in DH fosters unpacking interventions of African ROs, 2) highlights the processual and re-iterative dimension of researching non-military conflict intervention practices, and 3) contributes to ongoing debates on studying interventions and (spatial) practices more broadly.

Website: https://ancip-project.de/

Stylo-ah-online: Metric Text Comparison and Analysis within the Browser

Ch. Schubert (Alte Geschichte, Uni Leipzig), S. Kurowsky (Alte Geschichte, Uni Leipzig), J. Wittig (Alte Geschichte, Uni Leipzig), H. Kahl (Alte Geschichte, Uni Trier)

Text (strings), normalization, splitting into token, build a token-profile, compare texts (strings) according to profile, visualize the inner relationship of the group of compared texts (strings), interpret the results, share or save your results (… reproducible), have series of different configurations, build series of results, interpret the difference within the series of results, no installation required: We put all this into stylo-ah-online a stylo remake to run locally on your sensible dataset – no server no cry.

Website: http://ecomparatio.net/~khk/styloonline/

Suche in textbasierten Forschungsdaten – Zugriff auf verteilte Ressourcen im NFDI-Konsortium Text+

Erik Körner (SAW Leipzig); Felix Helfer(SAW Leipzig); Thomas Eckart (SAW Leipzig); Uwe Kretschmer (SAW Leipzig)

Text+ ist ein Konsortium der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) in Deutschland und richtet sich an alle Forschende, die mit Text- und Sprachdaten im weitesten Sinn arbeiten, einschließlich Linguistik, Literaturwissenschaft, Philologien auch der sog. “Kleinen Fächer”, Philosophie sowie sprach- und textbasierte Forschung in den Sozialwissenschaften und der Politikwissenschaft.

Die Text+ Föderierte Inhaltssuche (Federated Content Search, FCS) ermöglicht eine parallele Suche in Sprachressourcen, die organisatorisch und räumlich verteilt vorliegen können. Dazu werden standardisierte Verfahren und Protokolle verwendet, unter anderem die Abfragesprache Contextual Query Language (CQL) auf Basis des etablierten Protokolls Search/Retrieve via URL (SRU) der Library of Congress bzw. OASIS searchRetrieve.

In der Föderierten Inhaltssuche verteilt ein zentrales Suchportal Nutzeranfragen an sogenannte “Endpunkte” und fasst die verschiedenen Ergebnisse übersichtlich zusammen. Dadurch werden transparente Anfragen über eine Vielzahl von Datenanbietern ermöglicht. Dies erhöht die Sichtbarkeit einzelner Ressourcen an zentraler Stelle, belässt jedoch die Kontrolle bei der teilnehmenden Einrichtung. Dabei besteht jederzeit die Möglichkeit, das jeweilige Suchergebnis bei der bereitstellenden Institution einzusehen.

Die FCS wird im Rahmen des Text+ Projektes kontinuierlich weiterentwickelt und an die Anforderungen verschiedenster Ressourcentypen (u.a. Wörterbücher und Editionen) angepasst. Die FCS bietet in zunehmenden Maße Zugriff zu spannenden Ressourcen und ist zentraler Bestandteil der Text+ sowie der europäischen CLARIN-Infrastruktur.

Website: https://fcs.text-plus.org/

The production of world knowledge transformed

Kathleen Schlütter

The poster´s main argument supports the idea that interdisciplinary fields of knowledge need alternative methodological tools to be classified, measured, and visualized compared to existing traditional knowledge classifications and bibliographic databases called mainstream channels, such as Web of Science. Communities of knowledge or “domains” have their own ways of communication and networking, related to their different genealogies. Our research project hereby focusses on the effects of the global condition on knowledge production in Germany in the interdisciplinary fields of Comparative Area Studies, Transregional Studies and Global Studies. The poster addresses preliminary results regarding the presence and measurement of these fields of knowledge in publications, cooperation dynamics, and their overall existence in German academic structures. We use Digital Humanities methods for our research, mapping and visualization, including the integration of existing datasets such as GERiT (DFG) or library records via API or SPARQL queries and bibliometric software such as VoSViewer. We are constantly dealing with how to gather and normalize different types of these data in a meaningful way, being aware of their limitations and subjectivity in the sense of Drucker’s concept of “capta” (Drucker 2011).

Drucker, Johanna. 2011. “Humanities Approaches to Graphical Display.” DHQ: Digital Humanities Quarterly (5/1). http://www.digitalhumanities.org/dhq/vol/5/1/000091/000091.html. Accessed May 23, 2023.

Website: https://recentglobe.uni-leipzig.de/forschung/forschungsprojekte/die-produktion-von-weltwissen-im-umbruch

Towards enhancing virtual museums by contextualizing art through interactive visualizations

Christofer Meinecke (Universität Leipzig), Chris Hall (University of Southern Denmark), Stefan Jänicke (University of Southern Denmark)

In response to the COVID-19 pandemic, public spaces, such as museums and art galleries, are experiencing increasing demands to offer virtual online access. While current solutions seek to replace or augment a real visit, online tours often suffer from being too passive and lack interactivity beyond recreating the physical space to keep virtual visitors meaningfully engaged with an exhibition. 

Museums and art galleries seeking to broaden and engage their audience more deeply should offer intriguing experiences that invite the visitor to explore, be entertained, and learn by interacting with the content. 

We propose a novel virtual museum experience that utilizes multiple visualizations to contextualize a gallery’s digitized artworks with related artworks from large image archives. We use the WikiArt data set that includes more than 200,000 images and offers diverse metadata used for comparative visual exploration. In addition, we apply machine learning methods to extract multifaceted information about objects detected in images and to compute similarities between them. 

Visitors to our virtual museum can interactively explore the artworks using different search filters, such as artists, styles, or object classes detected within an image. The results are displayed through interactive visualizations that offer different perspectives on artwork collections, leading to serendipitous discoveries and stimulating new insights. The utility of our concept was confirmed by an evaluation with virtual museum visitors, including people from the general public and humanities scholars.

Virtualisierung Historischer Musikinstrumente am Beispiel eines Mechanischen Abspielgerätes für Lochplatten

Dominik Ukolov (Forschungsstelle Digital Organology); David Fuhry (Forschungsstelle Digital Organology); Germán Camilo Salazar Lozada (Forschungsstelle Digital Organology); Franziska Bühl (Forschungsstelle Digital Organology); Heike Fricke (Forschungsstelle Digital Organology)

Im fortschreitenden Prozess der Digitalisierung nimmt für Museen und Sammlungen von Musikinstrumenten besonders die virtuelle Repräsentation von Objekten, insbesondere Instrumenten, eine zentrale Rolle ein. Diese Repräsentationen waren traditionell vor allem auf statische Darstellungen wie Fotografien und Audioaufnahmen beschränkt, welche nur einen wenig intuitiven Zugang zu den Objekten ermöglichen und bestenfalls begrenzte Interaktivität zulassen.

Virtuelle Akustische Objekte (VAO) stellen einen Ansatz dar, der diese Probleme mittels multimodaler, integrierter Datensätze adressiert. Dieser Standard ermöglicht virtuelle Repräsentationen der Instrumente, welche nicht nur visuelle und akustische Eigenschaften der Originalinstrumente beinhalten, sondern zusätzlich auch organologische, restauratorische und andere verwandte Informationen abbilden können. Mittels eines umfangreichen Angebots an Schnittstellen können VAOs für museale, wissenschaftliche und kreative Anwendungen genutzt werden.

Wir stellen den Standard und einige seiner Anwendungsmöglichkeiten an einem konkreten Beispiel, der Virtualisierung einer Organette der Marke Ariston aus dem späten 19. Jahrhundert und ihrer zugehörigen Medien vor. In unserem interdisziplinären Verfahren erweitern wir das virtuelle Modell dabei durch Erkenntnisse aus verschiedenen Bereichen der organologischen Forschung. Dies beinhaltet den kulturhistorischen Kontext des Instruments und seines Repertoires, sowie mechanische Eigenschaften der Konstruktion basierend auf den historischen Patentschriften.

Auch demonstrieren wir den Prozess, mit dessen Hilfe aus einfachen Fotografien von Originalmedien die musikalischen Informationen extrahiert und in MIDI-Dateien umgewandelt werden können, welche auf dem virtualisierten Instrument abspielbar sind.

Auf das entstandene VAO kann nicht nur in Form eines multimodalen Datensatzes zugegriffen werden, sondern auch auf Mobilgeräten als interaktives Objekt in Form einer Augmented Realtiy Anwendung.

Website: https://organology.uni-leipzig.de/index.php/forschung/diskos

Visualisierung der Präsenz des Nationalsozialismus im Dresdner Stadtbild am Beispiel der Entwicklung der Dresdner Ortsgruppen der NSDAP (1924–1945)

Michael Thoß (Hannah-Arendt-Institut für Totaltarismusforschung, HAIT); Anne Klammt (HAIT); Christoph Hanzig (HAIT); Sebastian Rab (HAIT)

Alljährlich wird im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten zur Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 von rechtsextremen Akteuren der geschichtsrevisionistische Mythos der „unschuldigen Stadt“ bedient. Wie die an diesem Tage stattfindenden Mahngänge „Täterspuren“ versucht das Projekt diesen Mythos anhand der Visualisierung mannigfaltiger konkreter Orte nationalsozialistischer Herrschaftsausübung zu widerlegen.

Auf der Grundlage von Daten verschiedener Quellen (NSDAP-Tageszeitung „Der Freiheitskampf“, Adressbücher usw.) kann das Wachsen der Parteistruktur der NSDAP auf dem Stadtgebiet Dresdens von der Gründung der ersten Geschäftsstelle der Ortsgruppe in einem Keller im Stadtteil Pirnaische Vorstadt bis hin zu ihrer maximalen Ausdehnung mit 90 Ortsgruppen über den Zeitraum von 1924 bis zum Ende der nationalsozialistischen Herrschaft 1945 nachvollzogen werden. 

Hierzu wurden Angaben zu konkreten geographischen Orten (überwiegend Adressen von Geschäftsstellen) gesammelt, im aktuellen Raum lokalisiert und mit den entsprechenden Geodaten versehen.  Somit ist es nun möglich, die sich immer weiter verdichtende Struktur der Parteieinheiten der NSDAP in Dresden mittels Software für Geoinformationssysteme (QGIS) zu untersuchen und auf Webseiten interaktiv zu visualisieren. Da sich das heutige Stadtbild erheblich von dem von vor 80 Jahren unterscheidet, wurde ein Kartensatz eines Stadtplanes im Maßstab 1:10000 aus dem Jahr 1941 digitalisiert und georeferenziert, um die Standorte der NDAPS-Ortsgruppen auch in ihrem geographisch-historischen Kontext zu projizieren.  

Bei der Recherche zum historischen Stadtplan wurde im Dresdner Stadtarchiv eine historische Karte entdeckt, auf der die Grenzen der Einzugsgebiete der einzelnen Parteieinheiten eingezeichnet sind. Diese sind im Rahmen des Projkekts ebenfalls georeferenziert worden und ergänzen die Karte um weiteren Kontext.

Zu konkreten Gegebenheiten und Aktivitäten der einzelnen Parteieinheiten kann zudem in den verlinkten Zeitungsartikeln aus dem Datenbankprojekt zur sächsischen NDAP-Gauzeitung „Der Freiheitskampf“ recherchiert werden. 

Die so entstandene Karte soll in Zukunft sukzessive durch weitere Orte nationalsozialistischer Präsenz, Herrschaftsausübung und Repression ergänzt werden, z. B. Geschäftsstellen anderer NS-Organisationen, Orte großer NS-Veranstaltungen, Judenhäuser Rüstungsbetriebe, KZ-Außenlager, Zwangs- und Fremdarbeiterlager.

Mit der schieren Masse von visualisierten Orten ließe sich der Mythos der „unschuldigen Stadt“ auf einen Blick widerlegen.

Website: https://digilab-hait.de/freiheitskampf/; https://hait.tu-dresden.de/ext/forschung/der-freiheitskampf.asp

Vom raumgreifenden Gipsabguss zur digitalen Punktwolke: Dokumentation und Visualisierung antiker Plastik am Beispiel des Toro Farnese in der Abguss-Sammlung des Antikenmuseums Leipzig

Jun.-Prof. Dr. Katharina Meinecke (Projektleitung); Dr. Jörn Lang (Projektleitung); Paula Michalski, M.A. (WHK); Joana Apelt, B.A. (SHK); Grit K. Friedmann (Restauratorin)

Im Zentrum des 2022 gestarteten Toro Farnese Projektes steht die namensgebende antike Skulpturengruppe des Toro Farnese, auch bekannt als Farnesischer Stier. Die Abguss-Sammlung der Universität Leipzig besitzt einen von weltweit sehr wenigen Gipsabgüssen der größten antiken Skulpturengruppe. Der von 1895/96 stammende historische Gipsabguss, der aus vielen einzelnen Teilfragmenten besteht, ist teilweise beschädigt und zuletzt im Jahr 2022 restauriert worden. Nach der Restaurierung begann das Scannen der einzelnen Teilfragmente mit einem modernen Streifenlichtscanner und das parallele Erstellen der 3D-Modelle. Im Anschluss werden die einzelnen 3D-Modelle wie das Original, welches heute noch in Neapel zu bewundern ist, zusammengefügt und fehlende Stellen rekonstruiert. Doch neben der reinen Digitalisierung soll sich mithilfe der 3D-Rekonstruktion auch einer zentralen Frage gewidmet werden, die die Forschung schon lange beschäftigt: welche Elemente der kaiserzeitlichen Skulpturengruppe, die auf ein verlorenes hellenistisches Werk zurückgeht, gehören nicht zur ursprünglichen Komposition? Mithilfe der 3D-Rekonstruktionen sollen verschiedene Szenarien erstellt werden, um sich so dem hellenistischen Original zu nähern. Dies ist weitaus kostengünstiger als eine echte Rekonstruktion und Wiederaufstellung des Gipsabgusses, denn mit seiner Größe (L: 3,30 m; B: 3,30 m; H: ca. 4 m) ist dies in den Räumen der Universität nicht möglich. Bis zum Projektende sollen die Daten online und somit überall für die Forschung und Lehre zur Verfügung stehen. Die langfristige Zugänglichkeit der Modelle und die digitale Rekonstruktion des Toro Farnese sind Hauptanliegen des Projektes.

Website: https://www.gkr.uni-leipzig.de/historisches-seminar/institut/professuren/klassische-archaeologie/forschung